48 Stunden – Transit durch die letzte Diktatur Europas

48 Stunden sind nicht wirklich viel Zeit, um etwas über ein Land zu lernen, von dem wir vorher so gut wie keine Vorstellung hatten, außer dass Lukaschenko das Land als letzter Diktator Europas regiert. Ein bisschen haben wir ja im letzten Artikel über Weißrussland geschrieben, und es ist für uns ein Land der Gegensätze. Die Innenstädte, die wir gesehen haben, waren absolut gepflegt, sauber, aufgeräumt und relativ modern. Die Ampeln sind neu und zumindest die Hauptverkehrsstraßen in einem super Zustand. Andererseits leiden die Menschen unter der schlicht nicht vorhandenen Wirtschaft. Eine Babuschka (Oma,) die wir an einer Bushaltestelle kennenlernten, erzählte uns, dass der Preis von Kakao in den letzten Monaten um 800% gestiegen sei, und insgesamt sollen sich alle Preise ungefähr verdoppelt haben. Die fast nicht vorhandene Wirtschaft lässt sich auch an der leeren Autobahn ablesen, auf der so gut wie keine LKW unterwegs sind.

Der Wechselkurs wird dabei durch den Staat gesteuert und ist vom realen Wert der Währung abgekoppelt. Man findet daher an der Grenze so gut wie keine Wechselstube, da Wechselstuben nicht vom vorgegebenen Wechselkurs abweichen dürfen. Bekommt man offiziell für einen Dollar 5000 Belarussische Rubel, haben wir auf dem Schwarzmarkt mehr als 6000 Rubel bekommen. Und dabei macht der Schwarzmarkthändler immer noch ein gutes Geschäft. Fragt man allerdings in Geschäften, ob man mit Dollar zahlen könne, wird dies immer verneint, da es offiziell nicht erlaubt zu sein scheint.

Insgesamt scheint das System die Menschen fest im Griff zu haben, da sich kaum Widerstand regt und die letzten Protestaktionen nach den letzten gefälschten Wahlen ziemlich brutal unterdrückt wurden, was sich zu der Zeit ja auch in der Berichterstattung in Deutschland niedergeschlagen hatte. Wir haben jemanden kennengelernt, der sich in der Opposition engagiert hat, daher von der Uni geschmissen wurde und dessen Coach im Sportverein klar gemacht wurde, dass er und seine Familie auch Probleme bekommen würden, falls diese Person weiter trainieren dürfe. Auch wurde er mehrfach aus unterschiedlichen vorgeschobenen Gründen verhaftet und musste jeweils mehrere Wochen im Gefängnis verbringen. Eine kreative Protestaktion, die entwickelt wurde, ist das Treffen auf einem öffentlichen Platz am Mittwoch Abend und das gemeinsame Klatschen. Aber auch hier greift das System streng durch und öffentliches Klatschen ist seit kurzem eine Straftat.

Wie stark das System die Menschen unter Kontrolle hat, merkt man auch im Straßenverkehr. Vor allem wenn man gerade aus dem in Sachen Straßenverkehr doch etwas anarchistischen Polen kommt. Wenn hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h auf einem Schild steht, halten sich die Fahrer wirklich strikt daran, und auch in den Ortschaften wird wirklich 50 gefahren.

Sehr merkwürdig ist auch, dass Weißrussland überhaupt ein eigenständiges Land ist, da kaum jemand weißrussisch (eine Mischung aus Polnisch und Russisch) spricht, sondern fast alle Menschen russisch. Und auch das Nationalbewusstsein scheint wenig ausgeprägt zu sein. Das einzige, was einer Eingliederung Weißrusslands in Russland im Weg zu stehen scheint, sind die Herrschaftsansprüche Lukaschenkos. Putin jedenfalls steht einer Eingliederung durchaus positiv gegenüber. Wirtschaftlich würde dies bestimmt viele Vorteile bringen, und politisch kann es eigentlich nicht schlimmer werden. Aber vielleicht ist die politische Entwicklung, die Weißrussland unter Lukaschenko genommen hat, auch der Weg, den Putin in Russland anstrebt.

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Eine Antwort auf 48 Stunden – Transit durch die letzte Diktatur Europas

  1. Eduardo sagt:

    I read some time ago that Chavez from venezuela had a deal with Lukashenko to provide cheap oil and pavement material… maybe thats why they have good roads.
    Great to te read about Lukashenko-land
    enjoy, Bye!