Bye, bye Mongolei

… nachdem uns gestern ein mongolischer Downie über den Weg lief und uns mit einem freundlichen „hello” begrüßte, meinten wir, eigentlich genug in der Mongolei gesehen zu haben, und daher hieß der eigentliche Plan für den heutigen Tag „bye, bye Mongolei” und ab in wärmere Gefilde; aber daraus wurde erst mal nichts, und nun dürfen wir noch zwei weitere Nächte in Ulaanbaatar verbringen. Diese doch eher unbedeutende Tatsache nehmen wir aufgrund der nun reichlich vorhandenen Zeit zum Anlass, um euch mit der Geschichte unseres verlängerten Aufenthalts und unserer gesammelten Weisheiten über die Mongolei zu beglücken.

Heute morgen hat sich Ania um 8 Uhr auf den Weg zur chinesischen Botschaft begeben, um unsere Visa abzuholen, und ich durfte schon vor 7 Uhr los, um am Bahnhof die Zugtickets zu besorgen. Als wir vor zwei Tagen Tickets kaufen wollten, wurde uns gesagt, dass nur Sitzplätze auf Holzbänken verfügbar seien, worauf wir bei einem Nachtzug gerne verzichten. Am Tag der Abfahrt seien aber wieder Tickets verfügbar und wir sollten einfach gegen 7 Uhr vorbeikommen. Als ich heute morgen dann um kurz nach 7 am Bahnhof stand, fand ich eine Schlange von gut hundert Menschen vor, und als die Verkaufsschalter um 8 Uhr endlich öffneten, war die Schlange auf bestimmt 200 Menschen angeschwollen, wobei sich mittlerweile bestimmt 150 vor mir befanden. Da Mongolen meistens zurückhaltend sind, haben die Anstehenden auch nicht wirklich etwas gesagt, sondern lediglich versucht, die Vordrängler zur Seite zu drängen, ohne diese anzuschauen. Die Vordrängler haben sich dann aber aneinandergehängt und sich langsam in die Schlange hineingeschoben. Dies alles erinnerte doch sehr stark an den Autoverkehr, aber dazu später mehr. Vier Polizisten versuchten, das Chaos und den Einlass in das Bahnhofsgebäude zu regeln. Sie beschränkten sich allerdings darauf, Vordrängler mit einem Elektroschocker zu bestrafen, ohne diese aus der Schlange herauszuholen. Zumindest vom Schauwert her hatte sich mein Besuch am Bahnhof also gelohnt 😉

Um halb 9 schaffte ich es ins Bahnhofsgebäude, und als ich es um kurz vor 9 endlich bis zum Schalter geschafft hatte und nur noch ein kleiner Mongole an meinem Rücken hing und versuchte, mit seinen Händen noch vor mir den Schalter zu erreichen, gab es leider wie bereits beschrieben keine Tickets mehr. Ich gab nun dem Druck hinter mir nach und stellte mich, in der Hoffnung auf englische oder wenigstens russische Sprachkenntnisse des Verkaufspersonals, an einem anderen Schalter an, um Tickets für Samstag zu erwerben. Die Hoffnung auf Sprachkenntnisse erfüllte sich leider nicht und ich bekam lediglich die Auskunft „no ticket“. Nach längerem Herumirren im Bahnhof fand ich dann nach längerer Zeit ein Fenster mit englischer Beschriftung und die Dame sprach auch wirklich Englisch. Es wäre auch einfach zu schwierig, ein Schild anzubringen, das darauf hinweist, dass sich im ersten Stock ein englischsprachiger Schalter befindet. Ich glaube mittlerweile wirklich, dass das Wort „Information“ in der mongolischen Sprache nicht existiert. Um es kurz zu machen: Es gab wirklich noch zwei Tickets für morgen zur mongolischen Grenzstadt. Allerdings reichten unsere Führerscheine für die Buchung nicht aus, im Gegensatz zu den Aussagen im Reiseführer, und die Dame wollte unbedingt unsere Reisepässe haben. Also ab in den Bus, um Ania auf der anderen Seite der Innenstadt an der Botschaft abzufangen. Bus steckte im Stau. Ania verpasst. Ins Hostel gejoggt. Pässe geschnappt. Im Taxi zum Bahnhof. Tickets für Samstag ausverkauft 🙁 Tickets für Sonntag gekauft. 11 Uhr zurück im Hostel. Zwei Stunden Mittagsschlaf. Pizza gegessen. Tickets für das Ärzte- Konzert am 18.8.2012 in Berlin gekauft. Laune wieder auf Urlaubsstimmung 🙂

Oder wie Farin Urlaub sagt: „Das Leben kann so schön sein, komm, ich zeig dir, wie es geht,  mach ne kleine Pause, komm absichtlich zu spät. Du wirst überrascht sein, dass die Welt sich weiterdreht,  das Leben kann so schön sein, wenn man nur weiß, wie es geht.” I.F.D.G.

http://youtu.be/T8Lhhagqu30

Nach unserem 2200 km langen Roadtrip mit einem mongolischen Fahrer und vielen Ziegen-, Schafs-, Pferde- und Kamelherden auf den Straßen und nach meinem mehrmaligen Durchqueren der Stadt am heutigen Morgen glaube ich, den Verkehr in Ulaanbaatar verstanden zu haben und kann endlich ohne Angst die Straße überqueren 🙂 Mongolen fahren nämlich in der Stadt genauso wie in der Steppe. Fußgänger und andere Autofahrer stellen dabei lediglich Herden dar, die, so die Denklogik des Mongolen, durch Hupzeichen von der Straße gejagt werden können. Da die Fahrer allerdings die Natur respektieren, wollen sie keine Tiere überfahren und daher bremsen sie auch wirklich, um einen Crash zu verhindern, wobei der verbleibende  Platz bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt wird, was den unerfahrenen Touristen doch etwas beängstigen könnte. Aber wie gesagt, Schafe sind dazu da, um im möglichst fortgeschrittenen Alter verspeist zu werden und daher werden sie nicht überfahren. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass man hier an den Autos  viel weniger Kratzspuren als in Russland sieht und sich die Fahrer aufs Hupen beschränken, ohne sich gegenseitig anzufeinden, was wiederum nur logisch ist, da es ja wenig Sinn macht, ein Tier anzupöbeln.

Zum Abschluss noch eine Verlustliste der Dinge, die wir in der Mongolei verloren haben. Würde sich diese Verlustrate so fortsetzen, stünden wir in ein paar Monaten nur noch in Unterhose da. Aber wir hoffen das Beste. Hier die Liste:

  • mp-3 Player: im Bus geklaut
  • Sonnenbrille: zusammen mit dem mp-3 Player geklaut
  • Sonnencreme: auf der Farm vergessen
  • Stirnlampe: auf der Farm verschwunden. Wahrscheinlich von einem Kind mit den Spielsachen eingepackt.
  • zwei verschiedene Socken (leider eine von Ania und eine von mir): in der Wäsche verschwunden
  • eine Unterhose: in der Wäsche verschwunden

So, jetzt komme ich langsam zum Ende und wende mich dem tollen Cartoon im Fernsehen zu, in dem ein chinesischer oder japanischer (entschuldigt meine Ignoranz) Kung Fu Kämpfer abwechselnd riesige Schotten, Roboter und Frankenstein vermöbelt.

Und für euch gibt es noch ein paar Bilder aus den letzten Wochen und ein schönes Lied über den Mongo mit der Bongo:

 

one way ...

... or another! Bin mal gespannt, wer alles versteht 😉

Auch die Beatles haben es nach UB geschafft.

Gruppenbild unseres Trips

leckere Pferdemilch

lecker Essen

Ania bei Aufwärmübungen

traditioneller Gebetssteinhaufen (ovoo) mit gewissen Extras

 

 

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Eine Antwort auf Bye, bye Mongolei

  1. Sir Lunch a Lot sagt:

    Sehr schöne Berichte!

    Und ich freu mich sehr, dass euch der Fast Poo schmeckt 🙂