One night in Bangkok …

… makes a hard man humble
Not much between despair and ecstasy” (1984)

Obwohl „One night in Bangkok” 1985 in Thailand verboten wurde (laut wikipedia), da das Lied angeblich ein schlechtes Licht auf die thailändische Kultur werfe, geht es uns doch einfach nicht aus dem Kopf (sogar nach drei Tagen in Bangkok) und auf eine gewisse Art und Weise befanden wir uns in Bangkok auch demütig zwischen Verzweiflung und Verzückung. Die Verzückung ging dabei auf das Konto Bangkoks und Thailands im Allgemeinen, die Verzweiflung dagegen war eher externer Natur. Da der Mensch vor allem an der Verzweiflung interessiert ist, halten wir uns nicht damit auf, die Verzückung zu beschreiben, sondern geben uns demütig der Verzweiflung hin. Wer sich hingegen nur für Bangkok und  weniger für Verzweiflung interessiert, kann die nächsten Absätze getrost überspringen.

Der erste Tag in Bangkok begann mit einem minutiös durchgeplanten Vormittag. Unser VIP Nachtbus aus Chiang Mai, mit unglaublicher Beinfreiheit, riesigen Sitzen und komplementärer Bewirtung (Sarkasmus sollte in diesen Aussagen nicht vermutet werden), kam pünktlich gegen 5 Uhr an der nördlichen Busstation in Bangkok an, wo wir in den Stadtbus Nummer 3 umstiegen, der uns noch vor der Rush Hour in gut vierzig Minuten direkt zu unserem Hotel brachte. Blieben noch genau sieben Stunden, um drei Botschaften (Pakistan, Polen und Indien) aufzusuchen und pünktlich um 13 Uhr Ania´s Eltern auf dem Flughafen abzuholen.

Während ich bei der pakistanischen Botschaft erfolglos nach einer Möglichkeit suchte, ein pakistanisches Visum außerhalb von Deutschland zu beantragen, stand Ania in der polnischen Botschaft vor verschlossenen Türen, da die Polen beschlossen hatten, das chinesische Neujahrsfest zu feiern, was doch eher merkwürdig war, da der Tag nicht einmal in Thailand ein offizieller Feiertag ist. Auf der pakistanischen Botschaft feierte man zwar nicht, allerdings war auch dort leider nichts zu machen und, wohl um mich los zu werden, erzählte man mir, dass es in Indien problemlos möglich sei, ein pakistanisches Visum zu bekommen (was allen Berichten widerspricht, die ich in den letzten Wochen gelesen hatte), und dass man mit fast 50% er Wahrscheinlichkeit auch ein visa-on-arrival bekommen könnte. Das hielt ich zwar für ein Gerücht, aber ich wollte die netten Menschen auch nicht weiter quälen und verabschiedete mich. Danach ging es dann zu der Agentur, die Visaanträge für die indische Botschaft entgegen nimmt, eine Arbeit, die die Botschaft anscheinend outgesourced hat. Zumindest hier waren wir halbwegs erfolgreich und durften unsere Pässe zur Bearbeitung zurücklassen, wobei uns die nette Mitarbeiterin erst gehen ließ, als wir ihren Namen  zusammen mit einem positiven Kommentar auf dem Feedbackformular hinterlassen hatten. Dank der relativ neuen Zugverbindung zum Flughafen schafften wir es dann auch mehr als pünktlich zum Flughafen, um den KLM Flug aus Amsterdam  landen zu sehen.

Zurück im Hotel, rief ich dann bei der pakistanischen Botschaft in Berlin an. Ein Telefongespräch, das, nachdem der erste Ärger verflogen war, doch einen gewissen satirischen Unterhaltungswert offenbarte. Hier eine nach bestem Wissen und Gewissen rekonstruierte Wiedergabe:

  • Ich: Hello, I would like to inquire about regulations on obtaining tourist visa for Pakistan …
  • Sie: Watt wollen se?
  • Ich: Ah wunderbar, Sie sprechen Deutsch [bzw. so etwas ähnliches]. Ich wollte mich über Touristenvisa informieren …
  • Sie: Woher rufen se denn überhaupt an?
  • Ich:. Aus Bangkok.
  • Sie: Wo issen det?
  • Ich: Ähhh, Thailand!?!
  • Sie: In Thailand jibt et auch ne Botschaft. Warum rufen se denn hier an?
  • Ich: Ich war heute in Bangkok auf der Botschaft und dort hat man mir gesagt, dass man kein Visum ausstellen könne, da dies nur in dem Land möglich sei, in dem man eine Arbeitsgenehmigung habe.
  • Sie: Jenau. Endlich mal ein Land, das sich an die Regeln hält.
  • Ich: [??Hä??] Ja daher rufe ich ja auch an. Wir sind nämlich schon seit 6 Monaten unterwegs und kommen auch vorher nicht nach Deutschland zurück. Vielleicht …
  • Sie: Is ja net unser Problem. Da können se sich ja nen zweiten Pass besorgen und uns den zuschicken. Falls se denn in Thailand auch deutsche Briefmarken und so finden [für den frankierten Rückumschlag], aber det is ihr Problem.
  • Ich: Ich würde aber gerne vermeiden, Reisepässe um die halbe Welt zu schicken. Vielleicht könnte ich den Antrag nach Deutschland schicken und den Aufkleber in Bangkok bekommen? Die Botschaft hier sagte …
  • Sie: Neee, det is net möglich. Wo wohnen se denn überhaupt?
  • Ich: In NRW.
  • Sie: Ach herje. Ja dann sind se hier aber komplett falsch. Da müssen se auf dem Konsulat in Frankfurt anrufen. Wissen se dat denn nich? [Nein zufälligerweise war mir dies nicht bekannt, da die pakistanische Botschaft in Berlin es nicht für notwendig hält, eine solche Information im Internet zu veröffentlichen.]

An dieser Stelle folgte noch ein abschließender Austausch von Höflichkeitsfloskeln, und ein überaus erquickend informatives Telefongespräch fand sein Ende.

Auf die Frage, warum Pakistan im Jahr 2010 seine Visavergabevorgaben in solch merkwürdiger Weise geändert hatte, konnten mir weder die Damen in Berlin noch die Mitarbeiter in der Botschaft in Bangkok eine Antwort geben. Ich gehe mal einfach davon aus, dass man es Touristen schwerer machen möchte, ins Land zu kommen, damit keine negativen Entführungsschlagzeilen entstehen. Andererseits ist es, falls man aus China über den Karakorum Highway einreist, ohne Probleme möglich, ein visa-on-arrival an der Grenze zu erhalten. Genau diese Strecke, auf der noch keinem Touristen etwas passiert ist, möchten wir auch nehmen, aber in die entgegengesetzte Richtung. Es besteht hier keine Reisewarnung, aber wir bekommen trotzdem  außerhalb Deutschlands kein Visum. Ich verstehe ja, dass man keine Touristen in den gefährlicheren Provinzen haben möchte, aber nur weils auf der Toilette stinkt, macht man ja nicht gleich im ganzen Haus die Fenster auf. Der Vergleich hinkt zwar etwas, da die Fenster hier eher zu gehen, was wiederum bei der Toilette keinen Sinn ergeben würde, aber … Naja, ihr versteht schon.

Nachdem die Polen das chinesische Neujahrsfest gefeiert hatten, ging es dann wieder auf die polnische Botschaft, um einen zweiten Pass für Ania zu beantragen, den wir zur pakistanischen Botschaft in Berlin schicken könnten. Hier stellte sich aber leider mal wieder heraus, dass viele polnische Behörden noch davon ausgehen, dass der Bürger um die im Zentrum ruhende Behörde kreist. Mit anderen Worten, nichts zu machen. Würde es wohl unter die Kategorie zivilen Ungehorsams fallen, einen verlorenen Pass plötzlich wieder zu finden und zu benutzen?;-) Nein, nein, hätten wir dies wirklich vor, würden wir natürlich nicht hier davon schreiben.

Nach diesen Ausflügen in die Wunderwelt der internationalen Bürokratie noch ein bisschen zu Bangkok und Thailand. Bisher sind wir restlos von Thailand begeistert. Die Menschen sind so freundlich wie in Laos, und gleichzeitig bietet Thailand mehr Küstenlinie als Vietnam. Besonders fasziniert sind wir von der kulturellen Offenheit. Thailand schafft es, zumindest ist dies unser erster Eindruck, verschiedenste kulturelle Einflüsse aufzunehmen und dabei eine eigenständige Kultur zu erhalten. Nun gut, auch Thailand scheint einige Probleme mit sich selbst zu haben, anders kann man wohl nicht erklären, dass Königsbeleidigung eine Straftat ist, die eine mehrjährige Haftstrafe nach sich ziehen kann, und dass das Bild des gottesgleich verehrten Königs omnipräsent ist. Andererseits wäre Thailand ohne den König vielleicht auch im Bürgerkrieg versunken, von daher ist die Königsbesessenheit wohl die bessere Option.

Ein weiterer Sachverhalt, der sich unserem beschränkten Horizont nicht zu erschließen vermag, ist die Tatsache, dass im Mittagsprogramm zwar blutrünstige Horrorfilme gezeigt werden, brennende Zigaretten in diesen Filmen allerdings grob gepixelt werden. Noch nicht angezündete Zigaretten dürfen dagegen gezeigt werden 🙂

Aber genug geredet. Da der Artikel bereits jetzt zu lang ist, gibts den Rest als Bildergeschichte:

 

Expressboothaltestelle in Bangkok

Wegen des chinesischen Neujahrs mit unendlich vielen chinesischen Tourgruppen überlaufener Königspalast in Bangkok. Wenigstens mussten die plärrenden Tourguides ihre Megaphone in China zurücklassen 😉

Mir wärs aber viel lieber, von thailändischen Taschendieben beklaut zu werden 🙁

Der hätte ziemliche Probleme, irgendwo in Asien Schuhe zu finden.

Why did Buddy Holly visit Bangkok? Right, ... 😉

So könnte man natürlich auch Bangkok erkunden. (Bayoke II Tower)

Hat da jemand als Kind nicht genug mit dem Kaufladen gespielt?

Mit Magister dürfte man für diesen Job gerüstet sein 😉

Die perfekte Tempelkombination. Ein schnelles Gebet für das perfekte Schnäppchen.

Die erste Tuk Tuk Fahrt.

Aussicht vom Golden Mount auf Teile Bangkoks

 

In Ayutthaya, der Hauptstdt des ehemaligen Königreichs Ayutthaya. Um Buddha das Trinken zu erleichtern, zeigen sogar die Strohhälme in die richtige Richtung.

Tuk Tuk in Ayutthaya

Nachdem wir in Angkor Wat aufgrund der Menschenmassen auf Sonnuntergänge verzichteten, konnten wir dies im "Miniangkor" in Ayutthaya nachholen.

Drachentanzfestival zum chinesischen Neujahr

Zum Marathon ging es dann weiter nach Khon Kaen, an dem allerdings nur Ania`s Vater teilnehmen wollte (und das sogar freiwillig 😉

 

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Eine Antwort auf One night in Bangkok …

  1. Adrian sagt:

    <3

    Drücke euch die Daumen, bleibt Gesund!!